Fleischmann TV – Sendung 063

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So, 02.11.2003 (Sendung 063):
“Marken vs. Billigklamotten”

„Hölfe, Hölfe Fleischmann, mir werden nach der Schule dauernd meine geilen Markenklamotten abgezogen. Kannst Du mir nicht Sachen von Dir leihen?“

Die Diktatur des Markenfaschismus – eine soziokulturelle Empirie
Hauptsache billig – wie Discountjugendliche ihr Leben meistern
Zahnklammer von Prada, Armanislipeinlage und Diddlaschenbecher von Gucci – wenn Jugendliche durchdrehen
Von Lidlkarottenjeans bis zur eßbaren Einwegkleidung von Mc Donald – der große Fleischmann Wegweiser durch den Billigmarkendschungel

Wie geht es wirklich zu in Schulen, Skatvereinen und christlichen Jugendswingerclubs? Drogenabhängige Nazischläger machen heutzutage selbst vor Billigmarken wie Fishbone, le frog oder dolce & gabbana keinen halt mehr. Selbst weiße Einwegsocken werden ihren Trägern bei lebendigem Leib vom Fuß gerissen, bloß weil kleingedruckt Diddl auf dem großen Onkel steht. So teilt sich die Jugend in zwei tief verfeindete Lager: Besitzer überteuerter Luxusmarken und das ohnmächtige Lumpenproletariat, die ihre ausgemergelten Körper mit amorphen No name Produkten verhüllen

„Hölfe, Hölfe, Fleischmann, ich weiß nicht, wie ich meine No name Schrottklamotten am besten miteinander kombinieren soll. Gib mir doch mal ein paar Anziehtipps.

Das Grundproblem der Discountkleidung: Schrott kombiniert mit Schrott ergibt Vollschrott. Egal ob man zur Polyesterthermohose das Eiersweatshirt trägt, die bulgarische Karottenbundfaltenhose mit Schleckerdrogeriesocken ergänzt oder den elektrostatisch immer stark aufgeladenen Vollacrylunterziehrolli mit dem Sackschützer aus Asbest komplettiert. Der stigmatisierte Träger von 99 Cent Lidljeans wird mit gewaltigen Arschtritten so lange durch die Fußgängerzone getrieben, bis er verfangen im total aufgerubbelten Achtziger Norwegerpulli unter beißendem Hohngelächter zusammenbricht und schließlich mit multiplen Trümmerbrüchen überseht einem ungewissen Schicksal entgegenpsychedelisiert.

„Hölfe, Hölfe, Fleischmann, ich würd gern mal auf Sylt bei einer Michael Ammer Party im VIP Bereich mit ein paar geilen Partygirls rummachen. Was muß ich dafür anziehen“

Stichwort hierarchische Kleiderordnung. Wenn zum einkaufen bei Spar Einwegkleidung aus Chemieabfällen reicht und man bei Burger King zur Not auch mit gebrauchten Geschirrhandtüchern eine gute Figur abgibt, müssen auf Promipartys oder Adelstreffen andere Kaliber aufgefahren werden, bei denen oft nur dem wahren Insider bekannte kleinste Deteils über Top oder Flop entscheiden: Knieschützer aus Nubukleder, Titanlockenwickler von Karl Lagerfeld und die Oberlippe, die eben nicht mit Botox, sondern mit Wackelpudding aufgespritzt wurde, und so der gesamten Gesichtsphysiognomie eine deutlich sympathischere Note gibt.

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