Fleischmann TV – Sendung 066

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

So, 23.11.2003 (Sendung 066):
“Außenseiter”

“Hölfe, Hölfe Fleischmann, in meiner Clique sind alle Junkies, ich schnüffel aber lieber Pattex“

Außenseiter – Nekrotischer Erfüllungsgehilfe oder Jeansboy paradox?
outsider, out of order oder outlet store- Mirakel oder Menetekel?
Außenseiter oder Outsider – diskursives Beschreiten einer Sprachklave
auß, außer, außen- euphimistischer Diskurs um Nichts
„Hölfe, Hölfe, Fleischmann, ich hab mit bloßen Händen drei Mitschüler totgeprügelt. Jetzt will keiner mehr was mit mir zu tun haben“

Das Grundproblem des typischen Außenseiters: Er ist einfach anders. Beispiel: Das Lieblingsessen in der Clique sind Burger, die Leibspeise des Außenseiter jedoch vierfach gepökeltes Nierenschaschlick oder Blutsturz überbacken. Nächstes Beispiel: In deiner Schule wird in den Pausen ganz normal Apfelkorn, Cola Rum oder Bier gesoffen, der feine Herr Außenseiter probiert sich jedoch lieber auf dem anspruchsvollen Terrain der Designersüchte aus: Industriekleber schnüffeln, psychedelische Pilze oder alle erdenkbaren Variationen um den ewigen Evergreen Heroin stellen ihm das entscheidende Bein, dass ihn schließlich in seine Außenseitergrube fallen läßt

„Hölfe, Hölfe, Fleischmann, ich wär so gern ein total durchgeknallter Außenseiter, aber ich bin einfach ein kackennormaler Durchschnittslangweiler ohne jede Marotte“

Die triste Realität von Millionen sog. Normalos: Sie sind von einer derart tristen, farblosen Ödness, dass sie selbst fröhliche Sauf Gröhl und Sexprollcliquen in kurzer Zeit in die Selbstauflösung treiben. Ihre erdrückende Durchschnittlichkeit erstickt jede noch so kleine kleinste Marotte oder Eigenart sofort im grauen Sumpf der Langeweile. Nur als Serienmörder, Kriegsverbrecher oder Weltraumarzt könnten sie ihrer Determination als unbedeutender Hanswurst entgehen.

„Hölfe, Hölfe, Fleischmann, ich werd vor Geilheit bald ohnmächtig, weil ich so häßlich bin, dass die ganzen geilen Weiber sich von mir nicht begrapschen lassen wollen“

Das härteste Außenseiterschicksal, dass man haben kann: Häßlichkeit. Stigmatisiert durch extreme körperliche Makel droht ein lebenslanges Schicksal als sexueller Proletarier. Rhabarberohren, Stummelzähne, Trichterbrust, Tubalippe, Ganzkörperekzeme und Schwitzarsch sind genetische Defekte, gegen die kein noch so harte Chemiemedikament gewachsen ist. Der Ohnmacht nahe und mit blutig gebissenen Lippen sitzen diese Elefantenmenschen in ihren verschwitzen, feuchten, süßsauren Einzimmerghettowohnungen hinter dunklen Vorhängen und melken sich vor Verzweiflung und Gier fast wahnsinnig oft stundenlang ab, ohne jemals Linderung, geschweige den Heilung zu erlangen.

zurück

Divider