Fleischmann TV – Sendung 064

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So, 9.11.2003 (Sendung 064):
“Jugendgruppen im Fokus”

- Nägelkauen, Rauchen, Lesen – abartige Rituale perverser Großstadtcliquen
- Der christliche Jugendswingerclub – im inneren Zirkel einer Hardcore- vereinigung
- Die Fleischmanngruppen – liebe Cliquen, die Wurst essen und Liebe machen
- Clique as clique can – Wenn die Clique mehr als nur die Clique ist

“Hölfe, Hölfe, Fleischmann, ich wär so gerne Juppie, weiß aber nicht, wie man das Wort richtig buchstabiert”

Orientierungslos wie ein abgekauter Strohhalm treibt der Jugendliche durchs Leben, eiert durch ein windschlüpriges Spalier aus sexuellen Schwerstdemütigungen, Chlorakne, multiplem Stimmbruch und ungleichmäßigem Wachstum. Vom Alptraum Pubertät in den Schwitzkasten genommen, sucht er nach Orientierung, Wärme und Zugehörigkeit, die ihm nur das stählerne Korsett einer Clique bieten kann. Ob der mit tiefen Riß, Schürf und Schnittwunden übersehte Punk, ein von Malzbier aufgeschwemmter Messie oder mit mannsgroßen Piercings komplett dichtgetackerte Jungschützenkönige, sie alle haben ihren Platz im Niemandsland, dass Leben heißt, gefunden.

Ein absolutes Tabuthema ist Mutprobe. War sie früher noch ein harmloser Kinderspaß mit Arschkloppe, Kellereinbrüchen und Alkoholvergiftungen, so gleichen die Aufnahmrituale heutiger Jugendkader eher dem Suppentopf einer Quälkompanie: Will man z.B. in einen Förderkurs lernschwacher BWL-Studenten aufgenommen werden, muß man sich einem menschenverachtenden Hardcorespiel namens dancing fingers unterziehen: Die Handflächen werden dabei mit Sekundenkleber an einem Cerankochfeld fixiert und auf kleiner Temperatur so lange verschmurgelt, bis die Aufgaben gelöst sind. Der perverse Renner in Hiphopkreisen ist die abartige Mutprobe „the big touchdown“: Nur mit Unterwäsche bekleidet muß schwerbewaffneten rumänischen Kinderbanden ihr Diebesgut entwendet werden. Die härteste Prüfung müssen jedoch Kandidaten für die Aufnahme in christlichen Jugendswingerclubs bestehen, den sog. the deep throat: Die Bewerber müssen so lange mit einem mittelgroßen Hund Gassi gehen, bis sie von der Polizei angehalten werden.

“Hölfe, Hölfe, Fleischmann, ich bin in einer ein total reichen Popperarschlochclique, will aber mehr in Richtung Underground. Wie geht das?”

Der fliegende Wechsel zwischen den Gruppen: Gestern Christ, heute Nazi, morgen Swinger, die feuchten Träume chronischer Changer versickern oft in der Grauzone zwischen Wachkoma und Alptraum, denn die militärisch straff organisierten Jugendgruppen 2003 arbeiten mit Alkohol, Gewalt, Nacktduschen und Blitzbesuchen. Wer z.B aus einer linksradikalen Spielegruppe einfach so austeigen will, wird bis an sein Lebensende verfolgt, ob in australischer Geröllwüste, an beiden Polkappen oder einheimischen Zierpflanzendschungel, der Konvertit wird nie mehr in seinem Leben auch nur ein Auge zutun.

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